Empowerment – Für mehr Frauen im Sport

In den letzten Wochen war es etwas ruhig auf meinem Blog. Das liegt zum einen daran, dass ich beruflich etwas mehr eingespannt war, zum anderen aber auch daran, dass ich kaum neue Abenteuer erlebt habe von denen ich berichten könnte.
Doch, es gab ein Abenteuer, der Nachbericht dazu ist aber noch in der Warteschleife und wird demnächst veröffentlicht. Also dran bleiben 😉

In der Zwischenzweit wurde ich von einer lieben Lauffreundin und 261 Coach Kollegin, Hannah von den Ausdauercoaches, gefragt, ob ich Lust hätte in ihrem Projekt #frauenimsport mitzuwirken.
Da es mir immer ein Anliegen ist Menschen, insbesondere Frauen zu mehr Sport zu ermutigen habe ich natürlich zugesagt.
Und so ist es jetzt an der Zeit mir über das schöne Wort „Empowerment“ so meine Gedanken zu machen und diese mit euch zu teilen.
Was bedeutet nun Empowerment eigentlich? Laut Wörterbuch übersetzt als Ermächtigung, Bevollmächtigung oder Handlungsfähigkeit bedeutet es für mich auch die Möglichkeit jemanden anderen dazu zu bringen seine eigenen Stärken zu erkennen und zu nutzen.
Das ist etwas was im Sport sehr gut umgesetzt werden kann und ich zusammen mit meinen Kolleginnen vom Club 261 in Österreich, und mittlerweile weltweit, in den verschiedensten Lauftreffs seit Jahren mache.


Durch das Laufen bringen wir Frauen zusammen. Sie netzwerken, tauschen sich aus, lernen viel über sich und ihre eigenen Stärken kennen.
Das ganze ohne Leistungsdruck, sondern mit dem Ziel sich gesund zu bewegen und sich selbst besser kennen zu lernen. Es ist immer wieder schön zu beobachten, wie Frauen sich dann mehr zutrauen. Sie trauen sich schneller zu laufen, länger zu laufen, mit anderen Menschen zu laufen.
Bei den 261 Lauftreffs ist uns wichtig, dass wir uns vernetzen, lernen gesund und ökonomisch zu laufen und auch soziale Kontakte durchs Laufen zu pflegen. Wir machen Laufreisen, erzählen unsere Geschichten an öffentlichen Plätzen und versuchen so noch mehr Frauen zu ermutigen den ersten Schritt zu machen.


Frauen trauen sich auf einmal zu Lauf-Veranstaltungen zu fahren, sogar an Wettbewerben teilzunehmen und erkennen, dass sie viel mehr können, als sie sich selbst zugetraut hätten.
Dadurch nehmen sie natürlich auch Stärke ins Alltagsleben mit, in die Familie, in den Job. Es sind nicht nur tolle Freundschaften entstanden, sondern auch Geschäftsbeziehungen. Frauen hab sich selbständig gemacht und ihr Leben grundlegend verändert.
Und dazu würde ich euch gerne ein Beispiel aufzeigen. Andrea, eine langjährige liebe Freundin und Laufkollegin von mir ist nicht nur 261 Coach, sondern auch mittlerweile selbständig als Fitness- und Gesundheitstrainerin für Kinder und Erwachsene. Ich habe mit ihr über ihren Werdegang und über Empowerment gesprochen:

  • Hallo Angi, heute schon Sport gemacht?
    Aber klar doch Astrid! Mein Tag hat schon mit einem super (nassen) Outdoortraining begonnen. Nicht weil ich schwimmen war, nein, sondern weil es geregnet hat. Da bewahrheitet sich dann wieder mein Lieblingsspruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung :-)“ Aber nicht jedes Training findet bei mir im „Nassen“ statt – komme gerade von einer Indoortrainingseinheit.
  • Welchen Stellenwert hat Sport bzw. Ausdauersport in deinem Leben?
    Definitiv einen sehr hohen! Er ist nicht nur mein Hobby, sondern auch gleichzeitig mein Beruf und JA ich liebe es!
  • War das immer schon so?
    Sport hat schon immer einen (relativ) hohen Stellenwert in meinem Leben eingenommen. Relativ deshalb, weil es mal mehr und mal wieder etwas weniger war. Ich habe immer gerne neue und vor allem verschiedene Sportarten ausprobiert. Jetzt ist es halt sehr viel mehr – denn seit über 2 Jahren bin ich als selbständige Dipl. Fitness- und Gesundheitstrainerin für Erwachsene und Kinder tätig.
  • Was bedeutet für dich „Empowerment“?
    Hmmm da musste ich jetzt etwas länger nachdenken 🙂 Aber für mich bedeutet es die Entdeckung und Förderung meiner eigenen Stärken und Potenziale, Selbstbestimmung und Gestaltung meines eigenen Lebensweges.
  • Wieso bist du dem Laufnetzwerk für Frauen und Mächen – Club 261 beigetreten und was ist dir in deiner Rolle als 261 Coach wichtig?
    Ja wie bin ich zum Club 261 gekommen? Eine gute Freundin von mir hat ständig von den lustigen Lauftreffs geschwärmt und dann bin ich einfach mal mitgegangen und quasi geblieben 😉 Ja und irgendwie hat es sich dann im Laufe der Zeit ergeben, Coach zu werden, um gemeinsam mit den anderen Coaches Frauen zum Laufen zu bringen. Aber nicht nur dahin zu bringen und zu ermutigen, sondern auch langfristig zum Durchhalten zu motivieren. Somit ist mir die Motivatorrolle sehr wichtig als Coach.
  • Man kann also sagen, dein Leben hat sich durch den Sport geändert? Bist du durch den Sport mutiger geworden?
    Ja definitiv, vor allem ins positive! Ich bin nicht nur fitter, vitaler, gesünder, weniger (bis nie) krank sondern auch lebenslustiger, glücklicher und vor allem ausgeglichener, um nur ein paar positive Veränderungen zu nennen 🙂
    „Tu deinem Leib des öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen (Teresa von Avila)“, dieser Spruch hat sich definitv bewahrheitet.
    Hab gerade überlegt ob sich mein Leben dadurch auch ins Negative gewendet hat! Hihi… Mir würde nur der (liebe) Muskelkater einfallen, vor allem nach einem Rennen. Aber das wars dann auch schon 😉
  • Welchen Rat kannst du Frauen geben, die sich nicht zutrauen laufen zu können?
    Liebe Frauen: ihr seid so starke Wesen und schafft so viel! Warum soll es dann nicht auch mit dem Laufen klappen? Auch wenn ihr nicht von Anfang an eine gewisse Distanz (die nebenbei so nebensächlich ist!) durchlaufen könnt, soll es euch nicht vom Beginnen abschrecken. Denn mit jedem Mal werdet ihr Besser und Stärker – Durchhalten lautet also die Devise, denn ganz egal wie lange ihr läuft, die Hauptsache ist, dass ihr läuft!
  • Hast du sportliche Ziele, die du in der Zukunft umsetzten möchtest?
    Ja heuer nehme ich noch an ein paar Wettkämpfen teil wie z.B. dem Grazathlon, Erzberg Dirtrun, Kärnten Läuft, Linzathlon, Grazmarathon etc… Und was halt so dazwischen noch kommt 🙂 Längerfristig: immer in Bewegung bleiben und so wie die leider kürzlich verstorbene Legende Niki Lauda gesagt hat: “So lange ich gesund und fit bin, mache ich weiter. Stillstand ist das Langweiligste, was es gibt.”

Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin alles Gute auf deinem Weg! Wer sich für Angis Fit und Fun Angebot interessiert schaut am Besten auf ihre Homepage

Man sieht also, dass man durch Sport sehr viel in seinem Leben erreichen kann. Ich denke gerade für Frauen ist das wichtig, weil sie sich einfach noch immer zu oft selbst unterschätzen.

Power aus dem Sport = Power fürs Leben


In meinem Läufernetzwerk begegnen mir oft Frauen, die stark sind und Selbstvertrauen besitzten, aber es tatsächlich auf den Sport zurückführen und ganz erstaunliche Geschichten über ihren Werdegang erzählen können. Falls du noch nicht überzeugt bist, such dir einfach einen Lauftreff in der Nähe und sprich mit den Menschen, du wirst sehen es ist ganz einfach!

Das bringt mich noch zu einer meiner Herzensangelegenheiten: FRAUEN TRAUT EUCH… RAUS AUF DIE TRAILS!!!!


Als begeisterte Trailläuferin finde ich es immer noch sehr traurig, dass bei Laufveranstaltungen, egal ob Wettkämpfe oder Lauftreffs oder sonstige Zusammentreffen von Traillaufbegeisterten, meistens nur Männer anzutreffen sind. Die Frauen sind deutlich in der Unterzahl.
Vorallem, wenn es längere Läufe sind, also über 20 km. Liegt es tatsächlich daran, dass sich Frauen nicht trauen? Aber wovor haben sie Angst?
Ich selbst bin schon bei Lauftreffs als einzige Frau mitgelaufen oder als Last Finisherin in ein Ziel eingelaufen und ich hatte trotzdem immer Spaß und wurde immer motiviert und angefeuert. Denn gerade die Trailläufer sind ein äußerst zuvorkommendes und lustiges Völkchen. Auch bei Wettkämpfen findet sich immer jemand zum ratschen, motivieren und gemeinsam laufen.
Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland und Italien hab ich das schon erlebt. Ja klar, man wird dreckig, das gehört dazu. Und es braucht Zeit, ist halt nicht in einer Stunde abgetan.
Aber das nur kurz zu dem Thema, ich denke das werde ich in einem weiteren Blogpost noch eingehender beleuchten 🙂

Also, ich kann die Frauen unter euch nur auffordern, geht raus und habt keine Angst! Seid laufend mutig, um es mit dem Motto des Club 261 nochmals zu verdeutlichen.

Wenn du mehr über das globale Netwerk von 261 erfahren willst schau einfach mal auf der Homepage vorbei, vielleicht ist in deiner Nähe ein Lauftreff? https://club261.com/ oder http://www.261fearless.org/

Wie würdest du Empowerment für dich beschreiben?

Keep on running and be fearless

Eure Trailbirdie

Bilder: trailbirdie, Andrea Gangl, Club 261

Laufen bei Kälte

Ehrlich, wenn das Thermostat in der Früh -14° Celsius oder noch weniger anzeigt braucht es wirklich sehr viel Motivation um den inneren Schweinehund zu überwinden und eine Runde laufen zu gehen. Zumindest für mich, vielleicht geht es euch da anders?

Meine Motivation bei so tiefen Temperaturen ist definitiv eine Laufgruppe. Alleine würde mir das überhaupt keinen Spaß machen, vor allem weil ich bei tiefen Temperaturen keine Trainingsläufe (Tempo, Intervalle oder auch lange Läufe) machen kann. Das machen meine Bronchien nicht mit. Letzten Winter wollte ich trotz Kälte einen Tempolauf durchziehen und habe es bereut. Also muss mein Trainingsplan, den ich derzeit für meine Vorbereitung auf den Jol Sport Run Kärnten im Mai habe, etwas adaptiert werden.

Wie stelle ich es jetzt trotzdem an bei Kälte zu laufen? Ich schließe mich den Mädels vom Club 261 ein bei den wöchentlichen Lauftreffs an, verzichte auf Tempoläufe und ziehe mich warm an. Treue Begleiter bei tiefen Temperaturen sind für mich Haube, Schlauchtuch und meine Skifäustlinge. Und der Zwiebel-Look hat sich absolut bewährt für mich. Thermo-Laufhose und Windhose darüber, Unterleiberl, langärmeliges Thermoshirt, Thermolaufjacke und Windjacke darüber. So könnte ich im Notfall noch was ausziehen sollte es mir doch unerwartet zu warm werden 😉

 

Weiters nutze ich die Zeit für Alternativtraining. Für die Ausdauer sind Skitouren für mich perfekt und für Kräftigung bzw. Stabilität mache ich Fitness- und Yogaeinheiten. Sicher wäre auch ein Laufband eine gute Alternative, aber da ich keines daheim und auch kein Abo in einem Fitnessstudio habe, hoffe ich, dass sich die Temperaturen bald wieder der Jahreszeit, nämlich dem Frühling 🙂 anpassen werden.

Wie geht es euch damit in der Kälte zu laufen? Vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen Tipp für mich?

Leider leiden auch die Handy-Akkus unter der Kälte, somit gibt es diesmal nur ein paar Bilder von mir 😉 Das Titelfoto entstand bei einem Ausflug nach Wien bei einem Morgenlauf an der Alten Donau.

 

Keep on running

and be fearless

eure Trailbirdie

I love Kärnten Marathon 2017

Er ist geschlagen… der I love Kärnten Marathon 2017!

Einerseits bin ich froh gut über die Ziellinie gekommen zu sein, andererseits ist es nicht so gelaufen wie geplant und ich habe ein Rennen mit einigen Tiefs erlebt. Aber vielleicht muss man auch einfach mal diese Erfahrung machen. Ich weiß jetzt was schief gelaufen ist und werde daraus lernen. Das Ziel meine persönliche Marathon Bestzeit zu verbessern verschiebe ich auf einen anderen Termin und die Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen. Je mehr ich darüber nachdenke hat doch alles auch sein Gutes und so ziehe ich es vor mir genau das bewusst zu machen.

Aber der Reihe nach 🙂 Durch eine kurzfristige Streckenänderung (ich erfuhr das zufällig ein paar Tage vorher aus der Zeitung!) war ich etwas verunsichert, ob ich den Marathon überhaupt laufen sollte. Aus einer schönen Runde über Maltschacher See und um den Ossiacher See nach Feldkirchen wurde eine kurze Strecke mit 3 Runden im Mittelteil. Das klang für mich nicht so gut und der angebotene Trail war auf einmal ein paar Kilometer länger, nämlich 31 und dazu 640 Höhenmeter, was mir durchaus sympathisch vorkam. Als ich am Tag vor dem Rennen meine Startnummer abholte war ich noch mehr verunsichert… Sollte ich ummelden, oder nicht? Ich traf einen Bekannten der meinte die Runden im Bleistätter Moor sollten landschaftlich sehr schön sein und um nichts zu verkomplizieren beschloss ich doch beim Marathon zu bleiben. Zu den organisatorischen Problemen der Veranstalter, was auch die Streckenänderungen betrifft komme ich noch später.

Angefangen hat am Renntag dann allerdings alles sehr gut! Das Wetter war besser als vorhergesagt, im restlichen Österreich tobte ein Orkan und in Kärnten hatten wir zwar frische Temperaturen, aber Sonnenschein, es war trocken und ideales Laufwetter. Das Outfit hatte ich mir entsprechend ausgewählt und war damit auch sehr zufrieden. Da ich an den Händen immer sehr erfroren bin startete ich mit Handschuhen, die ich nach ca. 5 km in der Laufhose verstauen konnte. Langärmeliges Shirt, lange Hose, aber alles atmungsaktiv und gut erprobt. Und meine geliebten Adidas Boost Supernova Glide!

Die ersten Kilometer ging es bergab und ich konnte es laufen lassen, war total angenehm. So wie ich schon oft Downhills trainiert habe. Sobald es flacher wurde reduzierte ich das Tempo und versuchte mich bei einem Tempo von 5:40 einzupendeln – mein Wohlfühltempo. Das ging auch ganz gut, konnte kurz noch das liebe flottestirolermadel ein Stück begleiten, bevor wir uns auf der Abzweigung Halbmarathon/Marathon trennten.

 

Und dann begannen die Probleme, circa bei Kilometer 19. Das Frühstück machte sich in meinem Darm bemerkbar. Ich war extra um 06.00 Uhr früh aufgestanden und hab mir mein am Vortag eingeweichtes Müsli mit Bananen einverleibt. Leider hatte ich das vorher bei langen Läufen nicht getestet – ein grober Fehler! Ich dachte zwar, daß ich das Müsli bis zum Rennen verdaut hätte, war aber nicht so. Somit war ich ab da nur mehr mit dem Gedanken beschäftigt ein WC zu finden! Gott sei Dank war am Weg Richtung Bodensdorf ein Gasthaus offen und ich bat dort das WC nutzen zu dürfen, was auch kein Problem war. Vielen Dank nochmal an die Wirtsleute. Danach ging es mir wieder super, die paar Minuten Verzögerung konnte ich verkraften und machte mich auf den Weg nach Bodensdorf wo die Wende sein sollte. Die Halbmarathon Distanz hatte ich dann in 2:02 Stunden hinter mir und ich war sehr zufrieden, genoss die Ausblicke auf den Ossiacher See, der sich durch den aufkommenden Wind von seiner stürmischen Seite zeigte.

Bei der nächsten Labestation griff ich beim Obst zu, ich verspürte leichten Hunger und dachte mir nichts dabei. Bis ich circa zwei Kilometer später wieder meinen Bauch spürte. Verflixt nochmal, das konnte doch nicht sein! Gut, dass ich nochmal bei vorhin erwähnten Gasthaus vorbei kam um noch mal die Toilette zu nutzen. Nach dieser Pause verabschiedete ich mich von einer Ankunftszeit unter 04:13 und versuchte in reduzierten Tempo weiter zulaufen. In so einer Verfassung sind Runden wirklich gemein, ich wusste was mich erwartete und das noch zwei mal – die Runde im Bleistätter Moor! Landschaftlich wirklich sehr schön, ich werde in nächster Zeit sicher mal dort hin fahren und eine Runde laufen – aber in dem Moment wollte ich nur mehr das Rennen beenden.

Die Helfer an den Labestationen waren alle wirklich sehr freundlich und versuchten uns Läufer zu motivieren, ich trank bei den restlichen Labestationen nur mehr Wasser, da ich nicht sicher war das Iso zu vertragen und handelte mich so weiter. Ehrlich, ich hatte sogar den Gedanken aufzugeben und hörte auf zu laufen, ich ging und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Ich musste an Kathrine Switzer denken, und ihre Aussage ein Rennen zu beenden, und wenn es auf Händen und Knien ist. „Aufgeben tut man einen Brief“ – kam mir auch in den Kopf und dann dachte ich an all die Rennen, die ich schon hinter mir hatte und hey: „Ich bin eine Ultraläuferin! Warum jetzt aufgeben.“

Also rappelte ich mich mental wieder auf und konnte auch wieder das Tempo ein bisschen steigern, überholte noch ein paar Läufer und versuchte nur mehr an das Ziel zu denken. Als der Radweg auf dem wir liefen, dann Richtung Feldkirchen abbog und ich schon die Kirche sehen konnte wurde es immer besser. Ich schimpfte mit mir selber, warum ich mich so blöd angestellt habe und lief weiter. Je näher die Innenstadt kam, desto mehr  Zuseher waren an der Strecke, Anfeuerungsrufe motivierten mich auch gleich nochmal und so konnte ich doch endlich ziemlich erleichtert und locker nach 04:35 Stunden im Ziel einlaufen!

Es war auch total schön, dass ein paar Mädels von unserem Laufverein Club 261 nach ihren Rennen im Ziel waren, tut schon gut ein paar vertraute Gesichter zu sehen! Alle sind gut über die Ziellinie gekommen und genau darum geht es ja. Es gab eine wirklich schöne Medaille und ein Bierchen im Zielbereich und nach dem Smalltalk mit den Mädels holte ich meinen Kleidersack, zog mir was Warmes an und gönnte mir noch ein alkoholfreies Bier und die Siegerehrung. Bei so einer lokalen Veranstaltung ist es immer fein Bekannte zu treffen, sich gegenseitig zu gratulieren und einfach noch eine gemütliche Zeit gemeinsam zu verbringen.

 

Strecke I love Kärnten Marathon
Route I love Kärnten Maraton 2017

 

So viel zu meinem persönlichen Erlebnis, da es die erste Marathonveranstaltung in Kärnten war und meiner Meinung nach an der Organisation etwas gearbeitet werden kann fällt diesmal mein Fazit etwas länger aus.

Leider sind mir ein paar negative Punkte aufgefallen:

  • Kurzfristige gravierende Streckenänderungen ohne eine Info an die Teilnehmer, per E-Mail oder SMS vorab
  • Die Streckenänderung beim Trail ergab ein Plus von 4 km und circa 200 Höhenmeter (ist für erfahrene Läufer jetzt nicht tragisch, aber wenn sich jemand das erste Mal auf eine längere Trailstrecke begibt sind 4 km schon viel)
  • Generell keine Infos vorab an die Teilnehmer per E-Mail oder SMS (wer nicht auf FB ist hatte keine Chance vorab Informationen zur Veranstaltung zu bekommen und von den Änderungen zu erfahren, ich hatte die Info aus der lokalen Zeitung ein paar Tage vorher)
  • Über die Startzeiten herrschte auch im Startbereich noch Unsicherheit unter den Teilnehmern, da in den verschiedenen Medien verschiedene Startzeiten standen (von 09.30 – 10.15 Uhr war alles möglich)
  • Keine mobilen WCs an der Strecke
  • Kein Essen in der Ziellabe (nach einem Marathon wünscht man sich schon ein Stück Kuchen, Brot, oder Riegel – vielleicht war ich zu langsam?)
  • Gutschein für die Pasta-Party war gut gemeint, aber nach dem Rennen wäre es praktisch gewesen diesen im Zielbereich einlösen zu können (quer durch die Stadt zu gehen war mir zu weit)
  • Wenig Entertainment im Zielbereich (vor allem für die Teilnehmer am Halbmarathon, 10 k oder Panoramalauf, die länger auf die Siegerehrung warten mussten)
  • Das Missgeschick des vermeintlichen Siegers, der als Erster auf der Strecke kurz vor dem Ziel eine Wende verpasste, weil kein Streckenposten postiert ist – das darf echt nicht passieren!
  • Keine offiziellen Teilnehmerfotos (zumindest sind mir keine Fotografen an der Strecke aufgefallen, finde auch auf der Homepage keine entsprechenden Infos)

Natürlich möchte ich auch die für mich positiven Punkte hervorheben:

  • Anspruchsvolle Strecke in schöner Landschaft
  • Genügend Labestationen mit Wasser, Iso und Bananen und Äpfeln (obwohl ich mir persönlich noch Orangenspalten gewünscht hätte!)
  • Sehr freundliche Helfer auf der Strecke
  • Genügend Transfermöglichkeiten vom Zielgelände zum Start
  • Für die Teilnehmerzahl genügend WCs am Start
  • Schöne Finisher-Medaille
  • Verschiedene Laufstrecken im Angebot (Marathon, Halbmarathon, 10 k, 6 k, Trail 31 k, Wanderung, Kinderläufe, Frauenlauf)

Mit ein paar Verbesserungen in der Organisation könnte ich mir vorstellen, dass der I Love Kärnten Marathon ein Fixstern am Kärntner Laufhimmel wird! Ich würde es mir wünschen. Es sind doch einige Teilnehmer aus den anderen Bundesländern und auch aus dem Ausland gekommen, meiner Meinung nach ist auf jeden Fall das Potenzial da um eine hervorragende Laufveranstaltung zum Saisonende zu werden!

 

Mein persönliches Fazit: Die Vorbereitung hat gepasst, nur das Frühstück muss ich noch mal überdenken und einiges ausprobieren. Das Wissen, dass ein Marathon im Kopf entschieden wird und es ein wirklich schönes Naturschutzgebiet neben dem Ossiacher See gibt nehme ich als positive Erfahrung mit 🙂

Wie geht ihr mit damit um, wenn es mal nicht so läuft wie ihr es euch vorgestellt habt?

Keep on running

and be fearless

Eure Trailbirdie

Bodensee Frauenlauf 2017

Ohne Frauen läuft nichts! Das war das Motto beim Bodensee Frauenlauf 2017 🙂 Ende Mai.  Und wie sie gelaufen sind, über 3.000 Frauen, und wir Mädels vom Club 261 mittendrin.

Diesmal war es ein besonders nettes Zusammentreffen von 261 fearless Läuferinnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den USA! Denn keine Geringere als Kathrine Switzer selbst war in Bregenz mit am Start 🙂

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Aber alles der Reihe nach. Einmal im Jahr geht es für die Club 261 Läuferinnen auf große Frauenlaufreise. Nach Bologna, Budapest, Berlin und Liverpool in den letzten Jahren zog es uns heuer an den Bodensee. Zwar in Österreich, aber eine lange und dennoch angenehme Reise im Zug von zu Hause entfernt. Es wurde der  zweitgrößte Frauenlauf nach Wien (der übrigens am Wochenende davor statt fand) angekündigt und irgendwie machte sich bei mir ein komisches Gefühl breit. Wenn ich an den Berliner Frauenlauf zurück denke, wo auch tausende von Frauen am Start waren, was zu einem ziemlichen Chaos und für uns zu großem Streß führte, wusste ich nicht so recht was ich davon halten sollte. Aber es half nichts, Hotel war gebucht, Zugtickets gekauft, schönes Wetter angesagt und so machte sich am Freitag in der Früh eine lustige Truppe aus Klagenfurt auf den Weg nach Bregenz.

Kaum am Bodensee angekommen und Seeluft geschnuppert lief alles total entspannt. Die Vorarlberger sind schon ein ziemlich relaxtes Völkchen und am Weg zum Hotel (das JUFA Bregenz ist absolut empfehlenswert!) kam es uns vor als ob wir am Meer wären und begannen unseren Kurzurlaub richtig zu genießen.

Nachdem noch ein paar Mädels aus Deutschland und der Schweiz zu uns stießen machten wir uns gemeinsam auf den Weg zur Laufmesse, die direkt bei der Seebühne untergebracht war. Generell muss ich sagen, daß die Laufveranstaltung super organisiert war und auch alles sehr gut zu Fuß erreichbar war! Nach dem Abholen unserer Startunterlagen und einem Gläschen Prosecco auf der Laufmesse wurde es für unsere Mädels extrem aufregend, denn es stand das Treffen mit Kathrine an 🙂 Sie begleitete uns zum Abendessen und somit hatten wirklich alle genügend Zeit mit ihr zu plaudern. Schon cool unser Idol so hautnah zu erleben!

Der Lauf war am Samstag erst um 17.30 bzw. 18.00 Uhr festgesetzt und somit hatten wir noch Zeit tagsüber die Stadt zu erkunden. Für mich ging es natürlich rauf auf den Pfänder, den Hausberg der Bregenzer. Diesmal aber gar nicht Trailbirdie-Style zu Fuß, sondern mit der Pfänderbahn 😉 Immerhin musste ich noch meine Beinchen für den Lauf am Abend schonen. Der Blick auf den Bodensee und das Dreiländereck Österreich-Deutschland-Schweiz ist schon faszinierend! Es gibt einen kleinen Alpentierpark, der in einer halben Stunde durchwandert ist und somit verging die Zeit wie im Flug.

Nach einem kleinen Stadtrundgang gönnten wir uns dann noch ein leckeres spätes Mittagessen im Wirtshaus am See, wo wir schnell und freundlich bedient wurden. Wienerschnitzel ist jetzt nicht grad die perfekte Rennvorbereitung, aber mir war einfach danach und an dem Tag hat es auch fürs Rennen gepasst 😉

Der Startschuss für den Frauenlauf fiel dann am frühen Abend in Lochau, wohin wir standesgemäß mit dem Schiff kutschiert wurden. Der 5 km Kurs ging von Lochau zurück nach Bregenz, die 10 km Läuferinnen hatten noch eine zusätzliche Schleife nach dem Stadion zu laufen. Zieleinlauf war im Casino-Stadion, das war einfach der HIT! Gänsehaut pur beim Einlaufen ins Stadion. Es waren wirklich viele Zuschauer und die Stimmung war der Hammer 🙂

Der Lauf selbst war sehr heiß, das Wetter war ein Traum und somit hieß es eher langsam angehen. Die ersten 5 km waren nur in der Sonne am See entlang, was zwar wunderschön war, aber natürlich sehr anstrengend. Dafür war die zweite Streckenhälfte fast nur im Schatten und so konnte ich da wieder ein paar Minuten gutmachen und gut gelaunt den Zieleinlauf im Stadion genießen.

Im Ziel selbst gab es genügend Verpflegung um sich schnell wieder zu erholen, nach einem schnellen Zielfoto ging es zu Fuß wieder ins Hotel, duschen, umziehen und dann ab auf die Party! Die Nacht der Siegerinnen war wirklich eine sensationelle Feier. Die Siegerehrung wurde von den Moderatoren zügig durchgezogen, alle kamen auf Ihre Kosten. Super, daß Kathrine Ihre Altersklasse W70! für sich entscheiden konnte. Noch faszinierender für mich, daß auch in der W80 noch Damen dabei waren! Zum Abschluß gönnten wir uns noch eine Pizza in einem der zahlreichen Lokale der kleinen Landeshauptstadt.

Am Sonntag war leider schon wieder die Heimfahrt geplant, die allerdings auch wieder sehr kurzweilig war. Immerhin hatten wir uns viel zu erzählen und viele Bilder auszutauschen 😉 Allerdings fuhr ich nicht heim ohne zumindest eine der Mädels zu einem Morgenlauf überredet zu haben! Danke Manu für die nette Runde am Morgen 🙂

Mein Fazit: Eine super organisierte Laufveranstaltung, viele freundliche Helfer, eine tolle und große Laufmesse, ein prall gefülltes Startsackerl, genügend Zielverpflegung und Labestationen auf der Strecke. Super Stimmung! Ein Frauenlauf, den ich absolut empfehlen kann 🙂

BFL

Keep on running

and be fearless

Eure Trailbirdie

Fotocredits: Horst von Bohlen, Trailbirdie

Istrski Maraton – 42,195 km Sightseeing an der istrischen Küste

In meinem heutigen Blogpost möchte ich euch über meine Erfahrung beim Istrski Maraton vergangenes Wochenende in Slowenien, an der istrischen Küste berichten.  Ich habe in meinen letzten Berichten schon über mein Training für den Marathon bzw. über mein verhindertes Training berichtet.

Meine Vorbereitung für das Rennen war alles andere als optimal. Ich habe sogar mit dem Gedanken gespielt auf die halbe Distanz umzunennen. Am Weg nach Slowenien war das Wetter traumhaft und je näher ich dem Meer kam, desto mehr wurde mir klar – ich wollte die ganze Distanz laufen. Laut Ausschreibung war das Zeitlimit bei 6 Stunden (das sollte sich auch in meinem langsamstem Tempo ausgehen) und zusätzlich hätte ich bei Izola die Möglichkeit umzudrehen. Zugegeben, diese Möglichkeit hatte ich zwar aber das war nur ein kleiner Sicherheitsfaktor für mich, sollte es mir schon nach 10 km nicht gut gehen. Bei der Entscheidung die volle Distanz zu laufen hat natürlich auch meine bisherige Erfahrung mit langen Läufen geholfen! Ich wusste, daß ich die Distanz auf jeden Fall bewältigen kann.

Die Unterkunft hatte ich mir in Portoroz im Hotel Histrion besorgt, das übrigens direkt an der Strecke liegt (also wenn ich nach 25 km nicht mehr konnte, hätte ich die Möglichkeit direkt ins Hotelzimmer zu gehen 😉 ). Am Vortag des Rennes fuhr ich mit dem öffentlichen Bus um drei Euro nach Koper, was absolut günstig und nervensparend war. Koper war für 2017 der zentrale Ort der Laufveranstaltung. Ein Punkt der die Veranstaltung so interessant macht ist, daß mehrere Gemeinden beteiligt sind. Über drei Jahre wechselt die veranstaltende Gemeinde, Koper – Izola – Portoroz! In Koper angekommen war es nicht schwer sich zurecht zu finden. Die Startnummernabholung, Infostand, Laufmesse, Start, Ziel, Toiletten… Alles befand sich direkt an der weitläufigen Uferpromenade und innerhalb 15 Minuten hatte ich alles zusammen und ein wirklich gut gefülltes Startersackerl in den Händen. Für 30,- Euro Nenngeld hatte ich nun ein wirklich schönes Funktionsshirt, ein Buff, eine Dose Ölsardinen, eine Plastikhülle fürs Handy, diverse Gutscheine für Kaffee, Pastaparty, eine Laufzeitung und alle Infos zur Veranstaltung. Der einzige Nachteil für mich war, da es sich um eine lokale Laufveranstaltung handelte, waren alle Infos nur auf slowenisch. Aber vor Ort konnte ich alle Infos auf deutsch oder englisch einholen!

Da ich in Koper so schnell fertig war nutzte ich die Zeit und schaute bei den Kinderläufen zu. Es gab auch einen Bewerb an dem beeinträchtige Kinder mit ihren Eltern teilnehmen konnten. Es hat mir sehr gut gefallen, daß viele Zuschauer, darunter auch viele Touristen, dabei waren und angefeuert haben.

So konnte ein Marathonwochenende beginnen! Ich fuhr wieder mit dem Bus zurück, stieg aber in Piran aus. Dieses malerische Küstenstädtchen hat es mir einfach angetan! Von meinem Hotel aus war es auch in 10 Gehminuten erreichbar und so genoß ich dort den Nachmittag und stellte mich mental auf den Marathon am nächsten Tag ein.

Nun zum Rennen am Sonntag: Start war für 10.00 Uhr angesagt. Es würde also ziemlich warm werden (20 Grad hatten wir schon am Samstag). Vorsorglich hatte ich mir noch Sonnencreme besorgt und lief das erste Mal in diesem Jahr kurz-kurz und mit Käppi 🙂 Die Organisation vor Ort war super und so konnte ich mich gemeinsam mit zwei Läuferinnen aus Slowenien, Sanela und Lilli schon rechtzeitig in den Startblock einreihen. Es waren für den Marathon maximal 500 LäuferInnen zugelassen, also ging es recht friedlich und locker zu.

Startschuss, endlich ging es los. Mit meinen zwei Mitläuferinnen hatte ich ausgemacht, daß wir auf eine pace von 06:20 schauen. Der erste Kilometer führte uns um Koper herum und im Starterfeld ging es ziemlich flott zu, so daß wir uns immer wieder einbremsen mussten. Wir liefen dann die ersten Kilometer so um die 06:00. Das war sehr angenehm und wir konnten uns auch gut unterhalten. Es war absolut befreiend mit jemandem zu laufen, der sich auch keinen Zeitdruck machte sondern einfach nur gut und gesund im Ziel ankommen wollte.

Die Strecke führte uns am Meer entlang nach Izola. Dort ging es richtig rund. Das kleine Örtchen war voll mit Menschen, die uns zujubelten. Ausserdem waren Sanela und Lilli beide in Izola daheim, hatten also viele Bekannte an der Strecke. Nach Izola ging es dann ein bißchen vom Meer weg, auf die Parenzana. Das ist der bekannte Radweg, der entlang der alten Eisenbahntrasse errichtet worden war. Dort ging es dann schon auch ziemlich bergauf und bergab, vorallem aber abkühlenderweise durch Tunnels! Nach vielen Kurven auf der Parenzana erreichten wir bei Fiesa wieder das Meer und von da an ging es entlang der Promenade nach Piran, wo wir durch die alten Gässchen liefen, weiter nach Portoroz. Überall waren natürlich bei dem Wetter viele Touristen unterwegs und wir wurden echt toll angefeuert.

Nach Portoroz, bei Lucija, war die Wende und es ging wieder zurück Richtung Koper. Bei Lucija hatten wir schon 26 km hinter uns, also mehr als die Hälfte. Das war vor allem mental gut. Zurück liefen wir wieder auf einem Teil der Parenzana und bei Strunjan kamen wir auf die Strecke, die wir schon vom hinlaufen kannten. Quer durch die Landschaft, entlang von Wein- und Obstgärten, das war auch traumhaft schön! Obwohl wieder etwas bergauf. Dieser Abschnitt machte uns körperlich schon zu schaffen, immerhin waren wir dann schon bei Kilometer 32.

Ich merkte auch, daß wir nicht mehr so unbeschwert miteinander plaudern konnten und es begann der Teil, den jede für sich bewältigen musste. Also trennten wir uns. Ich wollte nur mehr mein Tempo laufen und nicht mehr stehen bleiben. Es war absolut in Ordnung, immerhin sind wir wirklich lange gemeinsam gelaufen!

Ab Izola waren wir dann wieder am Meer. Und die Kilometer wurden immer weniger. Ich spürte es natürlich im Körper. Hüfte, Oberschenkel, Gesäßmuskulatur… alle meldeten sich und meinten es wäre besser sich auszuruhen. Aber ein paar wenige Kilometer noch, irgendwann ein Zuruf von einem Streckenposten: Nur noch ein Kilometer! Äh, das konnte nicht sein, laut meiner Uhr waren es noch etwas mehr als zwei. Was er meinte sah ich nach einem Kilometer: Noch eine Labestation! Super, so kurz vor dem Ziel nochmal Kraft tanken, was trinken, eine Orangenspalte essen, freundliche Worte hören. Also war der letze Kilometer purer Genuss zum Laufen. Zuschauerjubel, Sonne, Meer 🙂

Nach 4:42:52 Stunden überquerte ich die Ziellinie und war glücklich. Glücklich doch die ganze Distanz gelaufen zu sein, es gut gemeistert zu haben und ohne Beschwerden im Ziel zu sein!

Auch Sanela und Lilli erreicht bald das Ziel und wir genossen gemeinsam die Atmosphäre. Es ging uns gut und das ist das Wichtigste. Ich wurde noch zu einem gemütlichen Beisammensein bei den Vereinskollegen der beiden eingeladen und somit ist der Istrski Marathon für mich zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden. Konnte dort sogar mit jemandem plaudern, der am Vortag bei den 100 Miles of Istria mitgemacht hatte!

Mein Fazit: Eine überaus gut organisierte Laufveranstaltung, eine tolle Strecke (immerhin mit knapp 300 Höhenmetern und einigen Abschnitten abseits der Straßen versehen), zahlreiche Helfer und Streckenposten. Alle vier Kilometer eine Labestation! Tolles Rahmenprogramm. Ich komme wieder – eventuell schon nächstes Jahr. Dann sind Start und Ziel in Izola 🙂 Für mich als Trailläuferin ist der Istrski Maraton, obwohl ein Straßenmarathon, auf jeden Fall zu empfehlen! Nicht zu vergessen die absolute slowenische Gastfreundschaft und das gute Essen, was auch für Begleitpersonen interessant ist.

 

Keep on running

and be fearless

Eure Trailbirdie

 

hier noch die Aufzeichnung von der Suunto Ambit3 peak

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50 Jahre laufend mutig

Es war der 19. April 1967, als eine Frau Geschichte schrieb. Damals war ihr das noch nicht so bewusst, denn sie wollte doch nur das was für uns Frauen heute ganz normal ist… LAUFEN! Und das über 42,195 km. Auch nicht so was Besonderes, wenn ich mir die Mädels anschaue, die über 100 km oder 100 Meilen oder noch weiter unterwegs sind!

Aber vor 50 Jahren war es etwas Besonderes! K.V. Switzer war in der Startaufstellung des Boston Marathons zu lesen. Nie im Leben hätten die Veranstalter gedacht, daß sich eine Frau hinter diesen Initialen versteckt. Immerhin war es Frauen nicht gestattet an Wettläufen über 400 m teilzunehmen. Es ist nicht gesund für Frauen, hieß es. Es könnte euch die Gebärmutter herausfallen, sagte man ihnen. Heute unvorstellbar! Als den Veranstaltern klar wurde, daß eine Frau in ihrem Rennen läuft versuchten sie Kathrine sogar handgreiflich aus dem Rennen zu nehmen. Die ganze Story könnt ihr auf Kathrines Homepage oder am Blog vom Club 261 nachlesen!

Warum ich jetzt einen Blogpost darüber schreibe? Vor drei  Jahren war ich in der glücklichen Lage diese Frau kennen zu lernen. Kathrine Switzer, heute 70 Jahre und noch immer voller Energie. Heuer am 17. April wird sie 50 Jahre nach ihrem Marathondebüt wieder in Boston an der Startlinie stehen und ich habe dies zum Anlass genommen ihr ein paar Fragen zu stellen.

Hier das Interview (übersetzt aus dem Englischen):

Trailbirdie: Was ging dir an der Startlinie vor knapp 50 Jahren in Boston durch den Kopf?

Kathrine: Ich war so aufgeregt endlich dort zu sein. Während meines ganzen Trainings habe ich an dieses großartige Rennen gedacht, ich war wie ein Pilger, der am Ende seiner Reise in die Kirche geht. Ich wollte einfach nur laufen. Ein bißchen nervös war ich schon, ich wusste nicht wirklich was ich erwarten konnte, aber all die Männer waren wirklich wunderbar. Ich wusste, daß ich es körperlich schaffen würde, immerhin lief ich im Training schon 50 km, so war ich sicher die Distanz zu schaffen.

MARATHON
Der Zwischenfall 1967

T: Wann wurde dir klar, daß du nicht einfach nur ein Rennen läufst, sondern etwas in der Welt veränderst?

K: Eigentlich erst auf der langen Autofahrt von Boston zurück zur Syracuse Universität. Wir hielten für eine Kaffepause und sahen die Zeitungen, und meine Story war überall! Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich es wäre einfach nur ein langweiliger und eigenartiger Zwischenfall gewesen, ich hatte keine Ahnung, daß daraus so große Aufregung entstehen würde. Noch immer, tief in meinem Herzen, weiß ich, daß Laufen mich verändert hat und dieser Marathon hat mich absolut verändert. Dieser Zwischenfall an dem Tag auf der Strecke hat mich so stark geprägt, ich wollte unbedingt Veränderungen im Sport für Frauen herbeiführen… Erst etwas später habe ich gesehen, daß wir ein bißchen was in der Welt ändern können.

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Boston 1972, 7 Frauen des ersten offiziellen Frauenfeldes eines Marathons

T: Wie unterscheidet sich dein Training jetzt von dem Training für Boston 1967?

K: Ehrlich, es ist ziemlich gleich wie 1967!!! Aber, es ist absolut nicht das gleiche wie 1975, da war ich schon eine viel bessere Athletin und auch international angesehen. 1967, war der Hauptfokus die Distanz zu bewältigen. Ich lief circa eine Stunde annähernd jeden Tag und machte einen langen Lauf am Wochenende. Ich machte einen Trainingslauf über 50 km zwei Wochen vor Boston um so das Selbstvertrauen zu bekommen zu finishen. Jetzt, mit 70 Jahren, laufe ich fast jeden Tag, mindestens eine Stunde und mache alle 8-10 Tage einen langen Lauf. Mein längster Lauf ist 30 km auf einem hügeligen Kurs. So circa alle 8 Tage mache ich etwas Speed-Training, Intervalle von 1 km mit 3 Minuten Pause. An lauffreien Tagen mache ich Übungen für die Stabilität und erhole mich vom Laufen. Hauptfokus jetzt ist gesund an der Startlinie zu stehen und die Distanz zu finishen. Aber 1975… wow, damals trainierte ich zweimal täglich, jeden Sonntag 35 km in gutem Tempo, zweimal die Woche Speed-Training und ein langer Lauf mitten in der Woche. Ich lief viele Wochen mehr als 160 km pro Woche!! Es ist eine Sache zu laufen und eine Distanz bewältigen zu wollen und eine komplett andere Sache als Eliteläufer im Wettkampf zu sein.

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Kathrine 2017 bei einem Trainingslauf in Neuseeland

T: Du bist mittlerweile für tausende Frauen ein Vorbild, wer ist dein Vorbild?

K: Ich habe ein paar – das sind Frauen wie Gloria Steinem für ihre Intelligenz und ihren Aktivismus, Billie Jean King für ihre Lebhaftigkeit und ihre Fähigkeit zu erkennen, daß Sport-Angelegenheiten Frauen-Angelegenheiten sind. Aber mein größtes Vorbild ist Margot Fonteyn für Ihre Fähigkeit Ballett – was körperlich absolut anstrengend und schmerzvoll ist – in etwas Schönes, Poetisches und Elegantes zu verwandeln. Das ist wie ich einen Marathon laufen wollte.

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Boston, 1972

 

T: Wenn du jetzt etwas Verrücktes machen könntest, was wäre das?

K: Ich MACHE gerade etwas Verrücktes!! Ich versuche Geranien pflanzen, schreibe gerade ein weiteres Buch, in dem ich den 2. Teil meiner Biografie behandle. Ich denke, sollte ich wirklich nochmal was ganz Verrücktes machen, ich würde versuchen den 89 km Comrades Marathon in Südafrika zu laufen. Dieser steht schon seit 1969 auf meiner To-do-Liste.

T: Wie beschreibst du 261 fearless in wenigen Worten?

K: Es bedeutet die Fähigkeit mächtig und mutig zu werden, sie ist in uns allen vorhanden, schon die einfachste Tat, einen Schritt nach dem anderen zu machen, gibt uns die Stärke in uns selbst zu vertrauen und unglaubliche Widrigkeiten zu überstehen. Aber du musst die Möglichkeit haben es zu VERSUCHEN – und 261 fearless gibt uns diese!

Vielen Dank Kathrine! Dafür, daß du damals einfach gelaufen bist und uns Frauen eine Tür geöffnet hast! Sport ist das eine, aber was wir fürs Leben daraus mitnehmen können ist noch eine viel größere Sache.

Als Buchtipp kann ich euch Kathrines Biographie „Marathon Woman“ empfehlen!

Viele Frauen werden heuer gemeinsam mit Kathrine in Bosten laufen. Und auch wir vom Club 261 in Kärnten werden mit dabei sein, zwar nicht direkt in Amerika, aber wir werden zeitgleich (praktischerweise ist das der Ostermontag!) eine Runde um den Wörthersee laufen 🙂 Das ist auch ziemlich genau ein Marathon und wer dabei sein will kann sich gerne direkt bei mir melden. Es ist auch möglich auf der Strecke einzusteigen und einen Teilabschnitt mit uns zu laufen. Je mehr desto besser und vor allem lustiger!

 

Keep on running

and be fearless

Eure Trailbirdie

 

Photocredits: Kathrine Switzer, Boston Herald, Corbis