Empowerment – Für mehr Frauen im Sport

In den letzten Wochen war es etwas ruhig auf meinem Blog. Das liegt zum einen daran, dass ich beruflich etwas mehr eingespannt war, zum anderen aber auch daran, dass ich kaum neue Abenteuer erlebt habe von denen ich berichten könnte.
Doch, es gab ein Abenteuer, der Nachbericht dazu ist aber noch in der Warteschleife und wird demnächst veröffentlicht. Also dran bleiben 😉

In der Zwischenzweit wurde ich von einer lieben Lauffreundin und 261 Coach Kollegin, Hannah von den Ausdauercoaches, gefragt, ob ich Lust hätte in ihrem Projekt #frauenimsport mitzuwirken.
Da es mir immer ein Anliegen ist Menschen, insbesondere Frauen zu mehr Sport zu ermutigen habe ich natürlich zugesagt.
Und so ist es jetzt an der Zeit mir über das schöne Wort „Empowerment“ so meine Gedanken zu machen und diese mit euch zu teilen.
Was bedeutet nun Empowerment eigentlich? Laut Wörterbuch übersetzt als Ermächtigung, Bevollmächtigung oder Handlungsfähigkeit bedeutet es für mich auch die Möglichkeit jemanden anderen dazu zu bringen seine eigenen Stärken zu erkennen und zu nutzen.
Das ist etwas was im Sport sehr gut umgesetzt werden kann und ich zusammen mit meinen Kolleginnen vom Club 261 in Österreich, und mittlerweile weltweit, in den verschiedensten Lauftreffs seit Jahren mache.


Durch das Laufen bringen wir Frauen zusammen. Sie netzwerken, tauschen sich aus, lernen viel über sich und ihre eigenen Stärken kennen.
Das ganze ohne Leistungsdruck, sondern mit dem Ziel sich gesund zu bewegen und sich selbst besser kennen zu lernen. Es ist immer wieder schön zu beobachten, wie Frauen sich dann mehr zutrauen. Sie trauen sich schneller zu laufen, länger zu laufen, mit anderen Menschen zu laufen.
Bei den 261 Lauftreffs ist uns wichtig, dass wir uns vernetzen, lernen gesund und ökonomisch zu laufen und auch soziale Kontakte durchs Laufen zu pflegen. Wir machen Laufreisen, erzählen unsere Geschichten an öffentlichen Plätzen und versuchen so noch mehr Frauen zu ermutigen den ersten Schritt zu machen.


Frauen trauen sich auf einmal zu Lauf-Veranstaltungen zu fahren, sogar an Wettbewerben teilzunehmen und erkennen, dass sie viel mehr können, als sie sich selbst zugetraut hätten.
Dadurch nehmen sie natürlich auch Stärke ins Alltagsleben mit, in die Familie, in den Job. Es sind nicht nur tolle Freundschaften entstanden, sondern auch Geschäftsbeziehungen. Frauen hab sich selbständig gemacht und ihr Leben grundlegend verändert.
Und dazu würde ich euch gerne ein Beispiel aufzeigen. Andrea, eine langjährige liebe Freundin und Laufkollegin von mir ist nicht nur 261 Coach, sondern auch mittlerweile selbständig als Fitness- und Gesundheitstrainerin für Kinder und Erwachsene. Ich habe mit ihr über ihren Werdegang und über Empowerment gesprochen:

  • Hallo Angi, heute schon Sport gemacht?
    Aber klar doch Astrid! Mein Tag hat schon mit einem super (nassen) Outdoortraining begonnen. Nicht weil ich schwimmen war, nein, sondern weil es geregnet hat. Da bewahrheitet sich dann wieder mein Lieblingsspruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung :-)“ Aber nicht jedes Training findet bei mir im „Nassen“ statt – komme gerade von einer Indoortrainingseinheit.
  • Welchen Stellenwert hat Sport bzw. Ausdauersport in deinem Leben?
    Definitiv einen sehr hohen! Er ist nicht nur mein Hobby, sondern auch gleichzeitig mein Beruf und JA ich liebe es!
  • War das immer schon so?
    Sport hat schon immer einen (relativ) hohen Stellenwert in meinem Leben eingenommen. Relativ deshalb, weil es mal mehr und mal wieder etwas weniger war. Ich habe immer gerne neue und vor allem verschiedene Sportarten ausprobiert. Jetzt ist es halt sehr viel mehr – denn seit über 2 Jahren bin ich als selbständige Dipl. Fitness- und Gesundheitstrainerin für Erwachsene und Kinder tätig.
  • Was bedeutet für dich „Empowerment“?
    Hmmm da musste ich jetzt etwas länger nachdenken 🙂 Aber für mich bedeutet es die Entdeckung und Förderung meiner eigenen Stärken und Potenziale, Selbstbestimmung und Gestaltung meines eigenen Lebensweges.
  • Wieso bist du dem Laufnetzwerk für Frauen und Mächen – Club 261 beigetreten und was ist dir in deiner Rolle als 261 Coach wichtig?
    Ja wie bin ich zum Club 261 gekommen? Eine gute Freundin von mir hat ständig von den lustigen Lauftreffs geschwärmt und dann bin ich einfach mal mitgegangen und quasi geblieben 😉 Ja und irgendwie hat es sich dann im Laufe der Zeit ergeben, Coach zu werden, um gemeinsam mit den anderen Coaches Frauen zum Laufen zu bringen. Aber nicht nur dahin zu bringen und zu ermutigen, sondern auch langfristig zum Durchhalten zu motivieren. Somit ist mir die Motivatorrolle sehr wichtig als Coach.
  • Man kann also sagen, dein Leben hat sich durch den Sport geändert? Bist du durch den Sport mutiger geworden?
    Ja definitiv, vor allem ins positive! Ich bin nicht nur fitter, vitaler, gesünder, weniger (bis nie) krank sondern auch lebenslustiger, glücklicher und vor allem ausgeglichener, um nur ein paar positive Veränderungen zu nennen 🙂
    „Tu deinem Leib des öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen (Teresa von Avila)“, dieser Spruch hat sich definitv bewahrheitet.
    Hab gerade überlegt ob sich mein Leben dadurch auch ins Negative gewendet hat! Hihi… Mir würde nur der (liebe) Muskelkater einfallen, vor allem nach einem Rennen. Aber das wars dann auch schon 😉
  • Welchen Rat kannst du Frauen geben, die sich nicht zutrauen laufen zu können?
    Liebe Frauen: ihr seid so starke Wesen und schafft so viel! Warum soll es dann nicht auch mit dem Laufen klappen? Auch wenn ihr nicht von Anfang an eine gewisse Distanz (die nebenbei so nebensächlich ist!) durchlaufen könnt, soll es euch nicht vom Beginnen abschrecken. Denn mit jedem Mal werdet ihr Besser und Stärker – Durchhalten lautet also die Devise, denn ganz egal wie lange ihr läuft, die Hauptsache ist, dass ihr läuft!
  • Hast du sportliche Ziele, die du in der Zukunft umsetzten möchtest?
    Ja heuer nehme ich noch an ein paar Wettkämpfen teil wie z.B. dem Grazathlon, Erzberg Dirtrun, Kärnten Läuft, Linzathlon, Grazmarathon etc… Und was halt so dazwischen noch kommt 🙂 Längerfristig: immer in Bewegung bleiben und so wie die leider kürzlich verstorbene Legende Niki Lauda gesagt hat: “So lange ich gesund und fit bin, mache ich weiter. Stillstand ist das Langweiligste, was es gibt.”

Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin alles Gute auf deinem Weg! Wer sich für Angis Fit und Fun Angebot interessiert schaut am Besten auf ihre Homepage

Man sieht also, dass man durch Sport sehr viel in seinem Leben erreichen kann. Ich denke gerade für Frauen ist das wichtig, weil sie sich einfach noch immer zu oft selbst unterschätzen.

Power aus dem Sport = Power fürs Leben


In meinem Läufernetzwerk begegnen mir oft Frauen, die stark sind und Selbstvertrauen besitzten, aber es tatsächlich auf den Sport zurückführen und ganz erstaunliche Geschichten über ihren Werdegang erzählen können. Falls du noch nicht überzeugt bist, such dir einfach einen Lauftreff in der Nähe und sprich mit den Menschen, du wirst sehen es ist ganz einfach!

Das bringt mich noch zu einer meiner Herzensangelegenheiten: FRAUEN TRAUT EUCH… RAUS AUF DIE TRAILS!!!!


Als begeisterte Trailläuferin finde ich es immer noch sehr traurig, dass bei Laufveranstaltungen, egal ob Wettkämpfe oder Lauftreffs oder sonstige Zusammentreffen von Traillaufbegeisterten, meistens nur Männer anzutreffen sind. Die Frauen sind deutlich in der Unterzahl.
Vorallem, wenn es längere Läufe sind, also über 20 km. Liegt es tatsächlich daran, dass sich Frauen nicht trauen? Aber wovor haben sie Angst?
Ich selbst bin schon bei Lauftreffs als einzige Frau mitgelaufen oder als Last Finisherin in ein Ziel eingelaufen und ich hatte trotzdem immer Spaß und wurde immer motiviert und angefeuert. Denn gerade die Trailläufer sind ein äußerst zuvorkommendes und lustiges Völkchen. Auch bei Wettkämpfen findet sich immer jemand zum ratschen, motivieren und gemeinsam laufen.
Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland und Italien hab ich das schon erlebt. Ja klar, man wird dreckig, das gehört dazu. Und es braucht Zeit, ist halt nicht in einer Stunde abgetan.
Aber das nur kurz zu dem Thema, ich denke das werde ich in einem weiteren Blogpost noch eingehender beleuchten 🙂

Also, ich kann die Frauen unter euch nur auffordern, geht raus und habt keine Angst! Seid laufend mutig, um es mit dem Motto des Club 261 nochmals zu verdeutlichen.

Wenn du mehr über das globale Netwerk von 261 erfahren willst schau einfach mal auf der Homepage vorbei, vielleicht ist in deiner Nähe ein Lauftreff? https://club261.com/ oder http://www.261fearless.org/

Wie würdest du Empowerment für dich beschreiben?

Keep on running and be fearless

Eure Trailbirdie

Bilder: trailbirdie, Andrea Gangl, Club 261

Bodensee Frauenlauf 2017

Ohne Frauen läuft nichts! Das war das Motto beim Bodensee Frauenlauf 2017 🙂 Ende Mai.  Und wie sie gelaufen sind, über 3.000 Frauen, und wir Mädels vom Club 261 mittendrin.

Diesmal war es ein besonders nettes Zusammentreffen von 261 fearless Läuferinnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den USA! Denn keine Geringere als Kathrine Switzer selbst war in Bregenz mit am Start 🙂

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Aber alles der Reihe nach. Einmal im Jahr geht es für die Club 261 Läuferinnen auf große Frauenlaufreise. Nach Bologna, Budapest, Berlin und Liverpool in den letzten Jahren zog es uns heuer an den Bodensee. Zwar in Österreich, aber eine lange und dennoch angenehme Reise im Zug von zu Hause entfernt. Es wurde der  zweitgrößte Frauenlauf nach Wien (der übrigens am Wochenende davor statt fand) angekündigt und irgendwie machte sich bei mir ein komisches Gefühl breit. Wenn ich an den Berliner Frauenlauf zurück denke, wo auch tausende von Frauen am Start waren, was zu einem ziemlichen Chaos und für uns zu großem Streß führte, wusste ich nicht so recht was ich davon halten sollte. Aber es half nichts, Hotel war gebucht, Zugtickets gekauft, schönes Wetter angesagt und so machte sich am Freitag in der Früh eine lustige Truppe aus Klagenfurt auf den Weg nach Bregenz.

Kaum am Bodensee angekommen und Seeluft geschnuppert lief alles total entspannt. Die Vorarlberger sind schon ein ziemlich relaxtes Völkchen und am Weg zum Hotel (das JUFA Bregenz ist absolut empfehlenswert!) kam es uns vor als ob wir am Meer wären und begannen unseren Kurzurlaub richtig zu genießen.

Nachdem noch ein paar Mädels aus Deutschland und der Schweiz zu uns stießen machten wir uns gemeinsam auf den Weg zur Laufmesse, die direkt bei der Seebühne untergebracht war. Generell muss ich sagen, daß die Laufveranstaltung super organisiert war und auch alles sehr gut zu Fuß erreichbar war! Nach dem Abholen unserer Startunterlagen und einem Gläschen Prosecco auf der Laufmesse wurde es für unsere Mädels extrem aufregend, denn es stand das Treffen mit Kathrine an 🙂 Sie begleitete uns zum Abendessen und somit hatten wirklich alle genügend Zeit mit ihr zu plaudern. Schon cool unser Idol so hautnah zu erleben!

Der Lauf war am Samstag erst um 17.30 bzw. 18.00 Uhr festgesetzt und somit hatten wir noch Zeit tagsüber die Stadt zu erkunden. Für mich ging es natürlich rauf auf den Pfänder, den Hausberg der Bregenzer. Diesmal aber gar nicht Trailbirdie-Style zu Fuß, sondern mit der Pfänderbahn 😉 Immerhin musste ich noch meine Beinchen für den Lauf am Abend schonen. Der Blick auf den Bodensee und das Dreiländereck Österreich-Deutschland-Schweiz ist schon faszinierend! Es gibt einen kleinen Alpentierpark, der in einer halben Stunde durchwandert ist und somit verging die Zeit wie im Flug.

Nach einem kleinen Stadtrundgang gönnten wir uns dann noch ein leckeres spätes Mittagessen im Wirtshaus am See, wo wir schnell und freundlich bedient wurden. Wienerschnitzel ist jetzt nicht grad die perfekte Rennvorbereitung, aber mir war einfach danach und an dem Tag hat es auch fürs Rennen gepasst 😉

Der Startschuss für den Frauenlauf fiel dann am frühen Abend in Lochau, wohin wir standesgemäß mit dem Schiff kutschiert wurden. Der 5 km Kurs ging von Lochau zurück nach Bregenz, die 10 km Läuferinnen hatten noch eine zusätzliche Schleife nach dem Stadion zu laufen. Zieleinlauf war im Casino-Stadion, das war einfach der HIT! Gänsehaut pur beim Einlaufen ins Stadion. Es waren wirklich viele Zuschauer und die Stimmung war der Hammer 🙂

Der Lauf selbst war sehr heiß, das Wetter war ein Traum und somit hieß es eher langsam angehen. Die ersten 5 km waren nur in der Sonne am See entlang, was zwar wunderschön war, aber natürlich sehr anstrengend. Dafür war die zweite Streckenhälfte fast nur im Schatten und so konnte ich da wieder ein paar Minuten gutmachen und gut gelaunt den Zieleinlauf im Stadion genießen.

Im Ziel selbst gab es genügend Verpflegung um sich schnell wieder zu erholen, nach einem schnellen Zielfoto ging es zu Fuß wieder ins Hotel, duschen, umziehen und dann ab auf die Party! Die Nacht der Siegerinnen war wirklich eine sensationelle Feier. Die Siegerehrung wurde von den Moderatoren zügig durchgezogen, alle kamen auf Ihre Kosten. Super, daß Kathrine Ihre Altersklasse W70! für sich entscheiden konnte. Noch faszinierender für mich, daß auch in der W80 noch Damen dabei waren! Zum Abschluß gönnten wir uns noch eine Pizza in einem der zahlreichen Lokale der kleinen Landeshauptstadt.

Am Sonntag war leider schon wieder die Heimfahrt geplant, die allerdings auch wieder sehr kurzweilig war. Immerhin hatten wir uns viel zu erzählen und viele Bilder auszutauschen 😉 Allerdings fuhr ich nicht heim ohne zumindest eine der Mädels zu einem Morgenlauf überredet zu haben! Danke Manu für die nette Runde am Morgen 🙂

Mein Fazit: Eine super organisierte Laufveranstaltung, viele freundliche Helfer, eine tolle und große Laufmesse, ein prall gefülltes Startsackerl, genügend Zielverpflegung und Labestationen auf der Strecke. Super Stimmung! Ein Frauenlauf, den ich absolut empfehlen kann 🙂

BFL

Keep on running

and be fearless

Eure Trailbirdie

Fotocredits: Horst von Bohlen, Trailbirdie

50 Jahre laufend mutig

Es war der 19. April 1967, als eine Frau Geschichte schrieb. Damals war ihr das noch nicht so bewusst, denn sie wollte doch nur das was für uns Frauen heute ganz normal ist… LAUFEN! Und das über 42,195 km. Auch nicht so was Besonderes, wenn ich mir die Mädels anschaue, die über 100 km oder 100 Meilen oder noch weiter unterwegs sind!

Aber vor 50 Jahren war es etwas Besonderes! K.V. Switzer war in der Startaufstellung des Boston Marathons zu lesen. Nie im Leben hätten die Veranstalter gedacht, daß sich eine Frau hinter diesen Initialen versteckt. Immerhin war es Frauen nicht gestattet an Wettläufen über 400 m teilzunehmen. Es ist nicht gesund für Frauen, hieß es. Es könnte euch die Gebärmutter herausfallen, sagte man ihnen. Heute unvorstellbar! Als den Veranstaltern klar wurde, daß eine Frau in ihrem Rennen läuft versuchten sie Kathrine sogar handgreiflich aus dem Rennen zu nehmen. Die ganze Story könnt ihr auf Kathrines Homepage oder am Blog vom Club 261 nachlesen!

Warum ich jetzt einen Blogpost darüber schreibe? Vor drei  Jahren war ich in der glücklichen Lage diese Frau kennen zu lernen. Kathrine Switzer, heute 70 Jahre und noch immer voller Energie. Heuer am 17. April wird sie 50 Jahre nach ihrem Marathondebüt wieder in Boston an der Startlinie stehen und ich habe dies zum Anlass genommen ihr ein paar Fragen zu stellen.

Hier das Interview (übersetzt aus dem Englischen):

Trailbirdie: Was ging dir an der Startlinie vor knapp 50 Jahren in Boston durch den Kopf?

Kathrine: Ich war so aufgeregt endlich dort zu sein. Während meines ganzen Trainings habe ich an dieses großartige Rennen gedacht, ich war wie ein Pilger, der am Ende seiner Reise in die Kirche geht. Ich wollte einfach nur laufen. Ein bißchen nervös war ich schon, ich wusste nicht wirklich was ich erwarten konnte, aber all die Männer waren wirklich wunderbar. Ich wusste, daß ich es körperlich schaffen würde, immerhin lief ich im Training schon 50 km, so war ich sicher die Distanz zu schaffen.

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Der Zwischenfall 1967

T: Wann wurde dir klar, daß du nicht einfach nur ein Rennen läufst, sondern etwas in der Welt veränderst?

K: Eigentlich erst auf der langen Autofahrt von Boston zurück zur Syracuse Universität. Wir hielten für eine Kaffepause und sahen die Zeitungen, und meine Story war überall! Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich es wäre einfach nur ein langweiliger und eigenartiger Zwischenfall gewesen, ich hatte keine Ahnung, daß daraus so große Aufregung entstehen würde. Noch immer, tief in meinem Herzen, weiß ich, daß Laufen mich verändert hat und dieser Marathon hat mich absolut verändert. Dieser Zwischenfall an dem Tag auf der Strecke hat mich so stark geprägt, ich wollte unbedingt Veränderungen im Sport für Frauen herbeiführen… Erst etwas später habe ich gesehen, daß wir ein bißchen was in der Welt ändern können.

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Boston 1972, 7 Frauen des ersten offiziellen Frauenfeldes eines Marathons

T: Wie unterscheidet sich dein Training jetzt von dem Training für Boston 1967?

K: Ehrlich, es ist ziemlich gleich wie 1967!!! Aber, es ist absolut nicht das gleiche wie 1975, da war ich schon eine viel bessere Athletin und auch international angesehen. 1967, war der Hauptfokus die Distanz zu bewältigen. Ich lief circa eine Stunde annähernd jeden Tag und machte einen langen Lauf am Wochenende. Ich machte einen Trainingslauf über 50 km zwei Wochen vor Boston um so das Selbstvertrauen zu bekommen zu finishen. Jetzt, mit 70 Jahren, laufe ich fast jeden Tag, mindestens eine Stunde und mache alle 8-10 Tage einen langen Lauf. Mein längster Lauf ist 30 km auf einem hügeligen Kurs. So circa alle 8 Tage mache ich etwas Speed-Training, Intervalle von 1 km mit 3 Minuten Pause. An lauffreien Tagen mache ich Übungen für die Stabilität und erhole mich vom Laufen. Hauptfokus jetzt ist gesund an der Startlinie zu stehen und die Distanz zu finishen. Aber 1975… wow, damals trainierte ich zweimal täglich, jeden Sonntag 35 km in gutem Tempo, zweimal die Woche Speed-Training und ein langer Lauf mitten in der Woche. Ich lief viele Wochen mehr als 160 km pro Woche!! Es ist eine Sache zu laufen und eine Distanz bewältigen zu wollen und eine komplett andere Sache als Eliteläufer im Wettkampf zu sein.

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Kathrine 2017 bei einem Trainingslauf in Neuseeland

T: Du bist mittlerweile für tausende Frauen ein Vorbild, wer ist dein Vorbild?

K: Ich habe ein paar – das sind Frauen wie Gloria Steinem für ihre Intelligenz und ihren Aktivismus, Billie Jean King für ihre Lebhaftigkeit und ihre Fähigkeit zu erkennen, daß Sport-Angelegenheiten Frauen-Angelegenheiten sind. Aber mein größtes Vorbild ist Margot Fonteyn für Ihre Fähigkeit Ballett – was körperlich absolut anstrengend und schmerzvoll ist – in etwas Schönes, Poetisches und Elegantes zu verwandeln. Das ist wie ich einen Marathon laufen wollte.

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Boston, 1972

 

T: Wenn du jetzt etwas Verrücktes machen könntest, was wäre das?

K: Ich MACHE gerade etwas Verrücktes!! Ich versuche Geranien pflanzen, schreibe gerade ein weiteres Buch, in dem ich den 2. Teil meiner Biografie behandle. Ich denke, sollte ich wirklich nochmal was ganz Verrücktes machen, ich würde versuchen den 89 km Comrades Marathon in Südafrika zu laufen. Dieser steht schon seit 1969 auf meiner To-do-Liste.

T: Wie beschreibst du 261 fearless in wenigen Worten?

K: Es bedeutet die Fähigkeit mächtig und mutig zu werden, sie ist in uns allen vorhanden, schon die einfachste Tat, einen Schritt nach dem anderen zu machen, gibt uns die Stärke in uns selbst zu vertrauen und unglaubliche Widrigkeiten zu überstehen. Aber du musst die Möglichkeit haben es zu VERSUCHEN – und 261 fearless gibt uns diese!

Vielen Dank Kathrine! Dafür, daß du damals einfach gelaufen bist und uns Frauen eine Tür geöffnet hast! Sport ist das eine, aber was wir fürs Leben daraus mitnehmen können ist noch eine viel größere Sache.

Als Buchtipp kann ich euch Kathrines Biographie „Marathon Woman“ empfehlen!

Viele Frauen werden heuer gemeinsam mit Kathrine in Bosten laufen. Und auch wir vom Club 261 in Kärnten werden mit dabei sein, zwar nicht direkt in Amerika, aber wir werden zeitgleich (praktischerweise ist das der Ostermontag!) eine Runde um den Wörthersee laufen 🙂 Das ist auch ziemlich genau ein Marathon und wer dabei sein will kann sich gerne direkt bei mir melden. Es ist auch möglich auf der Strecke einzusteigen und einen Teilabschnitt mit uns zu laufen. Je mehr desto besser und vor allem lustiger!

 

Keep on running

and be fearless

Eure Trailbirdie

 

Photocredits: Kathrine Switzer, Boston Herald, Corbis