I love Kärnten Marathon 2017

Er ist geschlagen… der I love Kärnten Marathon 2017!

Einerseits bin ich froh gut über die Ziellinie gekommen zu sein, andererseits ist es nicht so gelaufen wie geplant und ich habe ein Rennen mit einigen Tiefs erlebt. Aber vielleicht muss man auch einfach mal diese Erfahrung machen. Ich weiß jetzt was schief gelaufen ist und werde daraus lernen. Das Ziel meine persönliche Marathon Bestzeit zu verbessern verschiebe ich auf einen anderen Termin und die Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen. Je mehr ich darüber nachdenke hat doch alles auch sein Gutes und so ziehe ich es vor mir genau das bewusst zu machen.

Aber der Reihe nach 🙂 Durch eine kurzfristige Streckenänderung (ich erfuhr das zufällig ein paar Tage vorher aus der Zeitung!) war ich etwas verunsichert, ob ich den Marathon überhaupt laufen sollte. Aus einer schönen Runde über Maltschacher See und um den Ossiacher See nach Feldkirchen wurde eine kurze Strecke mit 3 Runden im Mittelteil. Das klang für mich nicht so gut und der angebotene Trail war auf einmal ein paar Kilometer länger, nämlich 31 und dazu 640 Höhenmeter, was mir durchaus sympathisch vorkam. Als ich am Tag vor dem Rennen meine Startnummer abholte war ich noch mehr verunsichert… Sollte ich ummelden, oder nicht? Ich traf einen Bekannten der meinte die Runden im Bleistätter Moor sollten landschaftlich sehr schön sein und um nichts zu verkomplizieren beschloss ich doch beim Marathon zu bleiben. Zu den organisatorischen Problemen der Veranstalter, was auch die Streckenänderungen betrifft komme ich noch später.

Angefangen hat am Renntag dann allerdings alles sehr gut! Das Wetter war besser als vorhergesagt, im restlichen Österreich tobte ein Orkan und in Kärnten hatten wir zwar frische Temperaturen, aber Sonnenschein, es war trocken und ideales Laufwetter. Das Outfit hatte ich mir entsprechend ausgewählt und war damit auch sehr zufrieden. Da ich an den Händen immer sehr erfroren bin startete ich mit Handschuhen, die ich nach ca. 5 km in der Laufhose verstauen konnte. Langärmeliges Shirt, lange Hose, aber alles atmungsaktiv und gut erprobt. Und meine geliebten Adidas Boost Supernova Glide!

Die ersten Kilometer ging es bergab und ich konnte es laufen lassen, war total angenehm. So wie ich schon oft Downhills trainiert habe. Sobald es flacher wurde reduzierte ich das Tempo und versuchte mich bei einem Tempo von 5:40 einzupendeln – mein Wohlfühltempo. Das ging auch ganz gut, konnte kurz noch das liebe flottestirolermadel ein Stück begleiten, bevor wir uns auf der Abzweigung Halbmarathon/Marathon trennten.

 

Und dann begannen die Probleme, circa bei Kilometer 19. Das Frühstück machte sich in meinem Darm bemerkbar. Ich war extra um 06.00 Uhr früh aufgestanden und hab mir mein am Vortag eingeweichtes Müsli mit Bananen einverleibt. Leider hatte ich das vorher bei langen Läufen nicht getestet – ein grober Fehler! Ich dachte zwar, daß ich das Müsli bis zum Rennen verdaut hätte, war aber nicht so. Somit war ich ab da nur mehr mit dem Gedanken beschäftigt ein WC zu finden! Gott sei Dank war am Weg Richtung Bodensdorf ein Gasthaus offen und ich bat dort das WC nutzen zu dürfen, was auch kein Problem war. Vielen Dank nochmal an die Wirtsleute. Danach ging es mir wieder super, die paar Minuten Verzögerung konnte ich verkraften und machte mich auf den Weg nach Bodensdorf wo die Wende sein sollte. Die Halbmarathon Distanz hatte ich dann in 2:02 Stunden hinter mir und ich war sehr zufrieden, genoss die Ausblicke auf den Ossiacher See, der sich durch den aufkommenden Wind von seiner stürmischen Seite zeigte.

Bei der nächsten Labestation griff ich beim Obst zu, ich verspürte leichten Hunger und dachte mir nichts dabei. Bis ich circa zwei Kilometer später wieder meinen Bauch spürte. Verflixt nochmal, das konnte doch nicht sein! Gut, dass ich nochmal bei vorhin erwähnten Gasthaus vorbei kam um noch mal die Toilette zu nutzen. Nach dieser Pause verabschiedete ich mich von einer Ankunftszeit unter 04:13 und versuchte in reduzierten Tempo weiter zulaufen. In so einer Verfassung sind Runden wirklich gemein, ich wusste was mich erwartete und das noch zwei mal – die Runde im Bleistätter Moor! Landschaftlich wirklich sehr schön, ich werde in nächster Zeit sicher mal dort hin fahren und eine Runde laufen – aber in dem Moment wollte ich nur mehr das Rennen beenden.

Die Helfer an den Labestationen waren alle wirklich sehr freundlich und versuchten uns Läufer zu motivieren, ich trank bei den restlichen Labestationen nur mehr Wasser, da ich nicht sicher war das Iso zu vertragen und handelte mich so weiter. Ehrlich, ich hatte sogar den Gedanken aufzugeben und hörte auf zu laufen, ich ging und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Ich musste an Kathrine Switzer denken, und ihre Aussage ein Rennen zu beenden, und wenn es auf Händen und Knien ist. „Aufgeben tut man einen Brief“ – kam mir auch in den Kopf und dann dachte ich an all die Rennen, die ich schon hinter mir hatte und hey: „Ich bin eine Ultraläuferin! Warum jetzt aufgeben.“

Also rappelte ich mich mental wieder auf und konnte auch wieder das Tempo ein bisschen steigern, überholte noch ein paar Läufer und versuchte nur mehr an das Ziel zu denken. Als der Radweg auf dem wir liefen, dann Richtung Feldkirchen abbog und ich schon die Kirche sehen konnte wurde es immer besser. Ich schimpfte mit mir selber, warum ich mich so blöd angestellt habe und lief weiter. Je näher die Innenstadt kam, desto mehr  Zuseher waren an der Strecke, Anfeuerungsrufe motivierten mich auch gleich nochmal und so konnte ich doch endlich ziemlich erleichtert und locker nach 04:35 Stunden im Ziel einlaufen!

Es war auch total schön, dass ein paar Mädels von unserem Laufverein Club 261 nach ihren Rennen im Ziel waren, tut schon gut ein paar vertraute Gesichter zu sehen! Alle sind gut über die Ziellinie gekommen und genau darum geht es ja. Es gab eine wirklich schöne Medaille und ein Bierchen im Zielbereich und nach dem Smalltalk mit den Mädels holte ich meinen Kleidersack, zog mir was Warmes an und gönnte mir noch ein alkoholfreies Bier und die Siegerehrung. Bei so einer lokalen Veranstaltung ist es immer fein Bekannte zu treffen, sich gegenseitig zu gratulieren und einfach noch eine gemütliche Zeit gemeinsam zu verbringen.

 

Strecke I love Kärnten Marathon
Route I love Kärnten Maraton 2017

 

So viel zu meinem persönlichen Erlebnis, da es die erste Marathonveranstaltung in Kärnten war und meiner Meinung nach an der Organisation etwas gearbeitet werden kann fällt diesmal mein Fazit etwas länger aus.

Leider sind mir ein paar negative Punkte aufgefallen:

  • Kurzfristige gravierende Streckenänderungen ohne eine Info an die Teilnehmer, per E-Mail oder SMS vorab
  • Die Streckenänderung beim Trail ergab ein Plus von 4 km und circa 200 Höhenmeter (ist für erfahrene Läufer jetzt nicht tragisch, aber wenn sich jemand das erste Mal auf eine längere Trailstrecke begibt sind 4 km schon viel)
  • Generell keine Infos vorab an die Teilnehmer per E-Mail oder SMS (wer nicht auf FB ist hatte keine Chance vorab Informationen zur Veranstaltung zu bekommen und von den Änderungen zu erfahren, ich hatte die Info aus der lokalen Zeitung ein paar Tage vorher)
  • Über die Startzeiten herrschte auch im Startbereich noch Unsicherheit unter den Teilnehmern, da in den verschiedenen Medien verschiedene Startzeiten standen (von 09.30 – 10.15 Uhr war alles möglich)
  • Keine mobilen WCs an der Strecke
  • Kein Essen in der Ziellabe (nach einem Marathon wünscht man sich schon ein Stück Kuchen, Brot, oder Riegel – vielleicht war ich zu langsam?)
  • Gutschein für die Pasta-Party war gut gemeint, aber nach dem Rennen wäre es praktisch gewesen diesen im Zielbereich einlösen zu können (quer durch die Stadt zu gehen war mir zu weit)
  • Wenig Entertainment im Zielbereich (vor allem für die Teilnehmer am Halbmarathon, 10 k oder Panoramalauf, die länger auf die Siegerehrung warten mussten)
  • Das Missgeschick des vermeintlichen Siegers, der als Erster auf der Strecke kurz vor dem Ziel eine Wende verpasste, weil kein Streckenposten postiert ist – das darf echt nicht passieren!
  • Keine offiziellen Teilnehmerfotos (zumindest sind mir keine Fotografen an der Strecke aufgefallen, finde auch auf der Homepage keine entsprechenden Infos)

Natürlich möchte ich auch die für mich positiven Punkte hervorheben:

  • Anspruchsvolle Strecke in schöner Landschaft
  • Genügend Labestationen mit Wasser, Iso und Bananen und Äpfeln (obwohl ich mir persönlich noch Orangenspalten gewünscht hätte!)
  • Sehr freundliche Helfer auf der Strecke
  • Genügend Transfermöglichkeiten vom Zielgelände zum Start
  • Für die Teilnehmerzahl genügend WCs am Start
  • Schöne Finisher-Medaille
  • Verschiedene Laufstrecken im Angebot (Marathon, Halbmarathon, 10 k, 6 k, Trail 31 k, Wanderung, Kinderläufe, Frauenlauf)

Mit ein paar Verbesserungen in der Organisation könnte ich mir vorstellen, dass der I Love Kärnten Marathon ein Fixstern am Kärntner Laufhimmel wird! Ich würde es mir wünschen. Es sind doch einige Teilnehmer aus den anderen Bundesländern und auch aus dem Ausland gekommen, meiner Meinung nach ist auf jeden Fall das Potenzial da um eine hervorragende Laufveranstaltung zum Saisonende zu werden!

 

Mein persönliches Fazit: Die Vorbereitung hat gepasst, nur das Frühstück muss ich noch mal überdenken und einiges ausprobieren. Das Wissen, dass ein Marathon im Kopf entschieden wird und es ein wirklich schönes Naturschutzgebiet neben dem Ossiacher See gibt nehme ich als positive Erfahrung mit 🙂

Wie geht ihr mit damit um, wenn es mal nicht so läuft wie ihr es euch vorgestellt habt?

Keep on running

and be fearless

Eure Trailbirdie

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4 Kommentare zu „I love Kärnten Marathon 2017

  1. Liebe Astrid, dann erstmal Glückwunsch zum Durchhalten trotz der ganzen „Herausforderungen“. Ja, das wird im Kopf entschieden. Frauchen hat einmal einen HM nach 11 km sich Durchschleppen, Miesfühlen und sich-selbst-Bemitleiden aufgegeben. Und es sehr sehr lange bereut. Denn das bleibt hängen. Hat abder dazu geführt, dass sie nie wieder ausgetsiegen ist. Statt „Oh Mann, ich muss noch x km, was tue ich hier?“ sagt sie sich jetzt in schwierigen Situationen „toll, ich darf hier laufen, was für ein Geschenk!“. Hilft. Und Deine Zeit ist doch sehr gut, da würden wir platzen vor Stolz 🙂 Mal sehen, ob die Veranstalter auf Dich hören mit Deinen – sehr berechtigten – Kritikpunkten (ichbin ja der Meining, Kaiserschmarrn gehört zur Zielverpflegung, konnte aber noch keinen Veranstalter überzeugen ;-)) Gruß

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  2. Herzlichen Glückwunsch zu dem Finish unter erschwerten Bedingungen! Da hast Du Dir die tolle Medaille auf jeden Fall umso mehr verdient!

    Und rein landschaftlich sieht es auf jeden Fall toll aus! Im nächsten Jahr werden hoffentlich einige Deiner Kritikpunkte verschwunden sein.

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    1. Vielen Dank Manu! Auf jeden Fall, landschaftlich war gar nichts zu meckern. Da meine Punkte auch einigen anderen vor allem heimischen Läufern ein Anliegen sind geh ich mal davon aus, daß sich einiges bessern wird und die 2. Auflage der Veranstaltung super wird. LG nach Berlin!

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